
Radfahren im Herbst: Europas schönste Regionen für eine Tour durch bunte Landschaften
Goldene Wälder, Weinberge in Rot- und Orangetönen und deutlich ruhigere Radwege: Der Herbst ist eine der schönsten Jahreszeiten für eine Radreise durch Europa. Gleichzeitig unterscheiden sich die Bedingungen je nach Region deutlich – während in Nordfinnland die Herbstfarben bereits Anfang September ihren Höhepunkt erreichen können, beginnt die Saison in Südeuropa deutlich später. Wir stellen dir einige besonders schöne Ziele für eine herbstliche Fahrradtour vor und zeigen, worauf du unterwegs achten solltest.
Warum sich Radreisen im Herbst besonders lohnen
Nach der Sommerhitze sind die Temperaturen vielerorts wieder angenehmer für längere Touren. Beliebte Urlaubsregionen werden ruhiger, und Wälder, Weinberge und Berglandschaften zeigen sich in völlig neuen Farben. Gerade auf längeren Anstiegen oder ausgedehnten Tagestouren können die kühleren Temperaturen sogar angenehmer sein als im Hochsommer.
Allerdings bringt der Herbst auch besondere Bedingungen mit sich: Die Tage werden kürzer, nasses Laub kann Wege rutschig machen und das Wetter kann schnell wechseln. Eine etwas sorgfältigere Tourenplanung gehört deshalb dazu – dafür wirst du vielerorts mit außergewöhnlichen Landschaften und deutlich weniger Trubel belohnt.
Italien: Mit dem Fahrrad durch die Weinberge des Monferrato
Das Monferrato im Piemont ist von sanften Hügeln, Weinbergen, Wäldern und kleinen historischen Orten geprägt. Zahlreiche Nebenstraßen, Wirtschaftswege und Schotterstrecken machen die Region zu einem abwechslungsreichen Ziel für Tourenrad, Gravelbike und E-Bike.
Besonders schön ist das Monferrato im Herbst: Die Weinberge färben sich rot und golden, zwischen den Hügeln liegt am Morgen häufig leichter Nebel und auf den Straßen geht es nach der sommerlichen Hauptsaison deutlich ruhiger zu. Je nach Route kannst du kleinere Orte wie Frassinello Monferrato, Ovada oder Acqui Terme miteinander verbinden und unterwegs immer wieder Aussichtspunkte über die Hügellandschaft entdecken.
Auch kulinarisch passt die Jahreszeit hervorragend: Im Piemont beginnt im Herbst die Trüffelsaison, während gleichzeitig vielerorts die Weinlese stattfindet. Wer seine Radreise verlängern möchte, kann die Tour beispielsweise mit einem Abstecher in die Langhe und nach Alba verbinden.

Italien: Herbstfarben auf der Hochebene von Asiago
Die Hochebene von Asiago in Venetien ist vor allem bei Mountainbikern und E-Mountainbikern beliebt. Forststraßen, Waldwege und kleinere Straßen führen durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus Wäldern, Wiesen und traditionellen Almen.
Im Herbst färben sich die ausgedehnten Wälder in Rot-, Gelb- und Orangetöne. Besonders reizvoll sind Touren entlang der zahlreichen Wege rund um die sogenannten Malghe, die traditionellen Almen der Region. Aus ihnen lassen sich je nach Kondition kürzere Ausfahrten oder längere MTB- und E-MTB-Runden zusammenstellen.
Da viele Strecken durch Waldgebiete führen, solltest du im Herbst mit feuchten Abschnitten und Laub auf den Wegen rechnen. Ein Reifen mit ausreichend Profil und etwas angepasster Fahrweise sind dann wichtiger als im trockenen Hochsommer.
Deutschland: Schloss Neuschwanstein und das Allgäu
Rund um Schloss Neuschwanstein bei Füssen verbindet sich die herbstliche Voralpenlandschaft mit Seen, Bergen und zahlreichen Radwegen. Gerade im September und Oktober färben sich die Wälder rund um Schwangau, während die Temperaturen häufig noch angenehm genug für längere Touren sind.
Das berühmte Schloss entstand ab 1869 im Auftrag König Ludwigs II. und gehört heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Eine Radtour lässt sich beispielsweise mit dem Forggensee, dem Hopfensee oder weiteren Wegen im Allgäu verbinden. Wer längere Strecken plant, findet in der Region sowohl entspannte Touren entlang der Seen als auch deutlich anspruchsvollere Varianten Richtung Alpen.
Gerade an sonnigen Herbstwochenenden kann es rund um Neuschwanstein weiterhin voll werden. Wenn du die Region möglichst ruhig erleben möchtest, lohnt sich ein früher Start oder eine Route, die das Schloss nur als Zwischenstation einbindet.
Deutschland: Herbsttouren im Schwarzwald
Dichte Wälder, aussichtsreiche Höhenzüge und ein großes Netz aus Nebenstraßen, Forstwegen und Schotterstrecken machen den Schwarzwald zu einem besonders vielseitigen Ziel für Herbsttouren. Je nach Region eignen sich die Strecken für Trekkingrad, Gravelbike, Mountainbike oder E-Bike.
Besonders reizvoll ist der Wechsel zwischen dunklen Nadelwäldern und bunt gefärbten Laubwäldern. Dazu kommen immer wieder weite Ausblicke über Täler und die umliegenden Höhenzüge. Für eine entspannte Tour bieten sich beispielsweise Routen in den Tälern und entlang von Flüssen an, während im Hochschwarzwald deutlich mehr Höhenmeter zusammenkommen.
Bei Waldtouren solltest du im Herbst mit feuchten Wegen, Laub und früher einsetzender Dämmerung rechnen. Eine zuverlässige Fahrradbeleuchtung ist deshalb auch auf Tagestouren sinnvoll.

Polen: Natur erleben im Białowieża-Wald
Der Białowieża-Wald an der Grenze zwischen Polen und Belarus gehört zu den bedeutendsten verbliebenen Tiefland-Urwaldgebieten Europas und ist UNESCO-Weltnaturerbe. Alte Eichen, dichte Wälder und eine außergewöhnliche Tierwelt machen die Region zu einem ganz besonderen Reiseziel.
Auf der polnischen Seite führen verschiedene Straßen und freigegebene Wege durch die Umgebung des Schutzgebiets. Besonders bekannt ist die Region für den Europäischen Wisent, dessen größte frei lebende Populationen hier zu finden sind.
Je nach gewählter Route verlaufen die Wege über Asphalt, Schotter oder Waldwege. Gerade bei feuchtem Herbstwetter solltest du deshalb auf ausreichend Reifenprofil achten und dich vorab informieren, welche Wege im jeweiligen Schutzgebiet für Fahrräder freigegeben sind. Wer häufiger auf unbefestigten Wegen unterwegs ist, findet unter Fahrradreifen unterschiedliche Profile für verschiedene Untergründe.
Schottland: Herbstfarben in Perthshire und den Highlands
Schottland gehört zu den eindrucksvollsten europäischen Zielen für alle, die wilde Landschaften und wechselhaftes Wetter nicht abschrecken. Besonders Perthshire rund um Dunkeld ist für seine Wälder bekannt, die sich im Herbst intensiv verfärben.
Ein schöner Ausgangspunkt ist The Hermitage bei Dunkeld. Von dort lassen sich weitere Touren durch die bewaldete Landschaft von Perthshire planen. Wer weiter Richtung Highlands fährt, findet eine Mischung aus ruhigen Straßen, ehemaligen Bahntrassen, Forstwegen und anspruchsvolleren Offroad-Strecken.
Bei der Routenplanung solltest du allerdings genau hinsehen: Nicht jeder Wanderweg eignet sich automatisch für Fahrräder, und abgelegenere Strecken können deutlich anspruchsvoller sein, als sie auf der Karte zunächst wirken. Wechselhaftes Wetter gehört ebenfalls dazu – selbst an einem sonnigen Morgen kann eine leichte Fahrrad-Regenbekleidung im Gepäck sinnvoll sein.
Finnland: Ruska – der Herbst in Lappland
Wer Lappland nur mit Schnee, Rentieren und tiefstem Winter verbindet, verpasst eine der schönsten Jahreszeiten im Norden Finnlands. Die intensive Herbstfärbung wird dort als „Ruska“ bezeichnet und beginnt deutlich früher als in Mitteleuropa.
Je nach Region und Wetter kann die Ruska bereits Anfang September ihren Höhepunkt erreichen. Besonders Birken, Sträucher und die niedrige Vegetation der Fjälllandschaften sorgen dann für intensive Rot-, Gelb- und Goldtöne.
Für Radfahrer bietet Lappland sowohl befestigte Straßen als auch zahlreiche Gravel- und Mountainbike-Routen. Gleichzeitig werden die Nächte im September wieder dunkel genug, um mit etwas Glück Nordlichter zu sehen. Aufgrund der schnellen Wetterwechsel und der teilweise großen Entfernungen zwischen Ortschaften solltest du Touren hier allerdings besonders sorgfältig planen.

Frankreich: Provence und Camargue im Herbst entdecken
Herbstliche Radtouren müssen nicht zwangsläufig nach Nordeuropa führen. Auch im Süden Frankreichs beginnt nach dem heißen Sommer eine besonders angenehme Zeit zum Radfahren. Die Temperaturen sinken, viele Orte werden ruhiger und Weinberge sowie Laubbäume bringen neue Farben in die Landschaft.
Rund um Avignon, im Rhône-Tal und in der Provence lassen sich kleinere Straßen und Radwege zu abwechslungsreichen Touren kombinieren. Je nach Route führen sie durch Weinberge, kleinere Dörfer, Waldgebiete und offene Landschaften.
Noch flacher geht es in der Camargue zu. Die weitläufige Landschaft mit Lagunen, Feuchtgebieten und Salzflächen eignet sich besonders für entspannte Touren. Da es dort nur wenige größere Steigungen gibt, lässt sich die Region auch gut mit dem Trekking- oder Tourenrad erkunden. Auf unbefestigten Wegen kann es nach Regen allerdings schlammig werden.

Was du bei einer Radtour im Herbst beachten solltest
Früher dunkel: Beleuchtung nicht vergessen
Im Herbst werden die Tage schnell kürzer – und in bewaldeten Gebieten kann es schon deutlich vor Sonnenuntergang dämmrig werden. Eine zuverlässige Fahrradbeleuchtung gehört deshalb auch bei Tagestouren ins Gepäck. Prüfe vor längeren Ausfahrten außerdem, wann die Sonne untergeht, und plane ausreichend Zeitreserven ein.
Auf wechselhaftes Wetter vorbereitet sein
Zwischen Sonne, Wind und Regenschauern kann sich das Wetter im Herbst schnell ändern. Mehrere dünne Bekleidungsschichten lassen sich leichter an wechselnde Temperaturen anpassen als eine einzelne dicke Jacke. Eine kompakte Regenbekleidung fürs Fahrrad nimmt wenig Platz ein und kann verhindern, dass ein kurzer Schauer die Tour beendet.
Vorsicht bei nassem Laub
Feuchtes Laub kann insbesondere in Kurven und beim Bremsen überraschend rutschig werden. Fahre auf solchen Abschnitten etwas vorausschauender, reduziere gegebenenfalls das Tempo und vermeide starke Brems- oder Lenkbewegungen. Auch Fahrbahnmarkierungen, Holzbrücken und Metallflächen können bei Nässe deutlich weniger Grip bieten.
Ausrüstung trocken verstauen
Bei längeren Touren lohnt sich ausreichend Stauraum für zusätzliche Kleidung, Proviant, Werkzeug und gegebenenfalls einen Ersatzschlauch oder eine kleine Pumpe. Je nach Fahrrad und Strecke eignen sich dafür klassische Fahrradtaschen ebenso wie kompakte Rahmen-, Lenker- oder Satteltaschen.
Schutz vor Spritzwasser und Schmutz
Auf nassen Straßen und Waldwegen landen Wasser und Schmutz schnell auf Kleidung und Gepäck. Wer häufiger bei wechselhaftem Wetter fährt, wird deshalb gute Schutzbleche zu schätzen wissen. Gerade auf mehrtägigen Touren können sie den Komfort deutlich erhöhen.

Gut vorbereitet in die Herbsttour starten
Herbsttouren haben ihren ganz eigenen Reiz und zeigen viele bekannte Regionen von einer völlig anderen Seite. Gleichzeitig verlangen kürzere Tage, wechselhaftes Wetter und feuchte Wege etwas mehr Planung als eine Fahrt an einem langen Sommertag. Prüfe deshalb vor der Tour Wetter und Tageslichtdauer, plane bei längeren Strecken etwas Reserve ein und nimm eine zusätzliche Bekleidungsschicht sowie Beleuchtung mit.
Noch mehr Tipps zu Sichtbarkeit, Kleidung, Reifen und Fahrweise bei nassem Laub findest du in unserem Ratgeber Mit dem Fahrrad sicher durch den Herbst.